ROIC-Analyse

ROIC-Analyse: Wertschöpfung und Wettbewerbsstrategie verstehen

Dieses Tool hilft Investoren dabei, die wirtschaftliche Qualität eines Unternehmens besser zu verstehen. Im Mittelpunkt steht der Return on Invested Capital (ROIC) – eine der wichtigsten Kennzahlen zur Beurteilung von Wertschöpfung und Wettbewerbsvorteilen.

Ein Unternehmen schafft langfristig Wert für seine Aktionäre, wenn es mit dem eingesetzten Kapital eine Rendite erzielt, die über den Kapitalkosten liegt. Das Tool zeigt nicht nur, wie hoch diese Rendite ist, sondern auch wodurch sie entsteht.

Was ist der ROIC?

Der ROIC (Return on Invested Capital) misst, wie effizient ein Unternehmen das von Investoren bereitgestellte Kapital einsetzt. In seiner Grundform zeigt er, wie viel operativer Gewinn nach Steuern (NOPAT) mit dem eingesetzten Kapital erwirtschaftet wird:

ROIC = NOPAT / eingesetztes Kapital

Diese Kennzahl beantwortet die zentrale Frage, ob ein Unternehmen mit seinem operativen Geschäft mehr verdient, als das eingesetzte Kapital kostet. Um jedoch besser zu verstehen, wodurch der ROIC zustande kommt, kann die Formel erweitert werden.

Durch Einbeziehung des Umsatzes lässt sich der ROIC in zwei Komponenten zerlegen (siehe auch Abbildung 1):

ROIC = NOPAT-Marge × Kapitalumschlag

Die NOPAT-Marge beschreibt, wie viel operativer Gewinn nach Steuern aus einem Euro Umsatz erwirtschaftet wird. Sie zeigt damit die Preissetzungsmacht und Kostenstruktur eines Unternehmens. Eine hohe NOPAT-Marge deutet darauf hin, dass ein Unternehmen seine Produkte oder Dienstleistungen zu attraktiven Preisen verkaufen kann oder besonders effizient arbeitet. Typisch hohe Margen finden sich häufig bei Premium-Marken, Softwareunternehmen oder Firmen mit starken Wettbewerbsvorteilen.

Der Kapitalumschlag misst, wie effizient ein Unternehmen das eingesetzte Kapital nutzt, um Umsatz zu generieren. Er zeigt, wie oft das investierte Kapital innerhalb eines Jahres „umgeschlagen“ wird. Ein hoher Kapitalumschlag spricht für schlanke Strukturen, geringe Kapitalbindung und hohe operative Effizienz. Diese Eigenschaft ist typisch für Kostenführer, Handelsunternehmen oder Geschäftsmodelle mit hohem Volumen und niedrigen Margen.

Grundidee der ROIC-Zerlegung
Abbildung 1: Grundidee der ROIC-Zerlegung

Die Zerlegung ist besonders hilfreich, weil unterschiedliche Unternehmen auf sehr unterschiedliche Weise zu einer hohen Kapitalrendite gelangen können – entweder über hohe Margen, über hohe Effizienz oder durch eine Kombination aus beidem.

Kostenführer und Premium-Anbieter

Der Strategieforscher Michael Porter unterscheidet zwei grundlegende Wege zu nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen: Kostenführerschaft und Differenzierung (Premium). Dieser Mechanismus wurde unter Anderem auch von Micael J. Mauboussin sehr detailliert beschrieben.

Kostenführer erzielen meist niedrige Gewinnmargen, gleichen dies aber durch einen sehr hohen Kapitalumschlag aus. Typische Beispiele sind große Einzelhändler oder Discounter. Auch Unternehmen wie UnitedHealth Group sind in diesem Bereich angesiedelt, siehe Abbildung 2 für die Jahre 2017 bis 2024.

Strategische ROIC-Bereiche
Abbildung 2: Strategische Bereiche im ROIC-Diagramm, hier am Beispiel United Health: Hoher ROIC in der Kostenführer-Zone (2017 bis 2024)

Premium-Unternehmen hingegen erzielen hohe Margen, benötigen aber oft mehr Kapital pro Umsatz. Markenstärke, Preissetzungsmacht und Produktdifferenzierung stehen hier im Vordergrund. Ein Beispiel ist das Unternehmen Apple, in Abbildung 3 für die Jahre 2010 bis 2025.

Strategische ROIC-Bereiche
Abbildung 3: Strategische Bereiche im ROIC-Diagramm, hier am Beispiel Apple: Hoher ROIC in der Premium-Zone (2010 bis 2025)

Aufbau des Diagramms

Das Diagramm stellt Unternehmen in einem Koordinatensystem dar:

• Die horizontale Achse zeigt den Kapitalumschlag.
• Die vertikale Achse zeigt die NOPAT-Marge.

Jede Blase (Bubble) repräsentiert ein Unternehmen in einem bestimmten Jahr. Die Position zeigt, ob der ROIC eher durch Effizienz oder durch hohe Margen erzielt wird.

Kapitalkosten (WACC) und ihr Zusammenhang mit dem ROIC

Um den ROIC richtig einordnen zu können, ist ein Verständnis der Kapitalkosten entscheidend. Der wichtigste Maßstab hierfür ist der WACC (Weighted Average Cost of Capital), also die gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten eines Unternehmens.

Der WACC gibt an, welche Mindestverzinsung Investoren für das zur Verfügung gestellte Kapital erwarten. Er stellt damit die Hürde dar, die ein Unternehmen mit seinem operativen Geschäft überschreiten muss, um Wert zu schaffen.

Was ist der WACC?

Der WACC ist der gewichtete Durchschnitt aus:

• den Eigenkapitalkosten (Renditeerwartung der Aktionäre)
• den Fremdkapitalkosten (Zinsen auf Schulden, nach Steuern)

Die Gewichtung erfolgt anhand der Kapitalstruktur, also dem Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital.

Vereinfachte Berechnung des WACC

Vereinfacht lässt sich der WACC wie folgt darstellen:

WACC = (Eigenkapitalanteil × Eigenkapitalkosten) + (Fremdkapitalanteil × Fremdkapitalkosten × (1 − Steuersatz))

Für Investoren ist weniger die exakte Berechnung entscheidend, sondern das Verständnis: Je riskanter ein Unternehmen wahrgenommen wird, desto höher sind die Kapitalkosten.

Bedeutung des WACC für Investoren

Der WACC ist die zentrale Vergleichsgröße für den ROIC. Er beantwortet die Frage: Reicht die operative Rendite aus, um die Kapitalgeber angemessen zu entlohnen?

Hoher WACC: hohes Geschäfts- oder Finanzierungsrisiko
Niedriger WACC: stabiles Geschäftsmodell, geringeres Risiko

ROIC versus WACC: Wertschöpfung oder Wertvernichtung

Der Vergleich von ROIC und WACC ist einer der wichtigsten Tests für die Qualität eines Unternehmens:

ROIC > WACC: Das Unternehmen schafft Wert.
ROIC ≈ WACC: Das Unternehmen verdient gerade seine Kapitalkosten.
ROIC < WACC: Das Unternehmen vernichtet Wert.

Je größer der Abstand zwischen ROIC und WACC ist, desto stärker ist der wirtschaftliche Wettbewerbsvorteil eines Unternehmens.

Warum die zeitliche Entwicklung entscheidend ist

Ein einmaliger ROIC über dem WACC ist wenig aussagekräftig. Erst wenn ein Unternehmen über viele Jahre hinweg einen dauerhaft höheren ROIC als WACC erzielt, spricht man von nachhaltiger Wertschöpfung.

Genau hier setzt dieses Tool an: Die zeitliche Entwicklung im Diagramm zeigt, ob ein Unternehmen seinen Vorsprung ausbaut, hält oder verliert.

Praktischer Hinweis für Investoren

Bei der Analyse sollte nicht nur auf hohe Wachstumsraten oder steigende Umsätze geachtet werden. Langfristig entscheidend ist, ob dieses Wachstum mit einer Rendite erfolgt, die deutlich über den Kapitalkosten liegt.

Unternehmen mit einem dauerhaft hohen Abstand zwischen ROIC und WACC sind häufig die qualitativ besten und widerstandsfähigsten Investments.

Darstellung des WACC im Analysetool

Der WACC ist keine feste Größe, sondern hängt von mehreren Faktoren ab, die sich im Zeitverlauf verändern können. Dazu zählen insbesondere die Höhe der Verschuldung (Anteil von Fremd- zu Eigenkapital), der Zinssatz auf das Fremdkapital, der Unternehmenssteuersatz (da Zinsen steuerlich abzugsfähig sind), die Eigenkapitalkosten (Renditeerwartung der Aktionäre) sowie das Risiko des Geschäftsmodells, das häufig über den Beta-Faktor (β) abgebildet wird. Da diese Einflussgrößen schwanken, ist auch der WACC grundsätzlich veränderlich.

Aus Vereinfachungsgründen wird in diesem Tool jedoch ausschließlich der aktuelle WACC als rote gestrichelte Linie dargestellt, sofern die Option Labels aktiviert ist (siehe Abbildung 4). Am Beispiel von Qualcomm für die Geschäftsjahre 2017 bis 2021 ist zu erkennen, dass das Unternehmen zunächst einen ROIC unterhalb der WACC-Linie erzielte und damit Wert vernichtete, ab 2019 die Kapitalkosten übertraf und seit 2020 klar im Premium-Bereich mit nachhaltiger Wertschöpfung positioniert ist.

Zeitliche Entwicklung im Bubble-Chart
Abbildung 4: WACC und ROIC am Beispiel Qualcomm: 2017 und 2018 war der ROIC noch unterhalb des WACC im unprofitablen Bereich. Erst ab 2019 konnte der ROIC die WACC-Linie überschreiten, das Unternehmen wurde immer profitabler bis in den Premium-Bereich hinein.

Bedeutung von Farbe, Größe und Linien

Die visuelle Gestaltung hilft bei der schnellen Einordnung:

Größe der Bubble: Je größer, desto höher der ROIC.
Farbe: Grün signalisiert hohe Kapitalrenditen, Orange niedrige.
Graue Blasen: ältere historische Datenpunkte.

Linien zwischen den Bubbles zeigen die Entwicklung eines Unternehmens über mehrere Jahre hinweg. So lassen sich strategische Veränderungen und Trends leicht erkennen.

Zeitliche Entwicklung im Bubble-Chart
Abbildung 5: Zeitliche Entwicklung eines Unternehmens, hier das Unternehmen Apple, das sich vom Kostenführer zum Premium-Anbieter entwickelt hat bei durchgehend sehr hohen ROICs

Zeitraumsteuerung

Unterhalb der Grafik kann der Betrachtungszeitraum eingestellt werden. Die Darstellung erfolgt auf jährlicher Basis. Im Beispiel in Abbildung 6 wurde ein Zeitraum von 2019 bis 2025 für das Unternehmen KLA Corporation gewählt.

Zeitliche Entwicklung im Bubble-Chart
Abbildung 6: Zeitliche Entwicklung eines Unternehmens

Dies ermöglicht es, nicht nur Momentaufnahmen zu betrachten, sondern die Nachhaltigkeit der Wertschöpfung über mehrere Jahre hinweg zu beurteilen.

Interaktive Funktionen

Das Tool bietet mehrere Schaltflächen zur besseren Analyse:

Typen: Blendet die strategischen Bereiche (Kostenführer / Premium) ein oder aus.

Labels: Zeigt interaktive Hinweise im Diagramm an und stellt oben rechts die aktuellen Kennzahlen zur Kapitalrendite in Abhängigkeit der aktuellen Position des Mauszeigers dar. Außerdem wird hiermit die WACC-Linie ein- oder ausgeblendet, die die Grenze zur Profitabilität darstellt.

Tooltips: Aktiviert oder deaktiviert Informationsfelder, die beim Überfahren einer Bubble mit der Maus erscheinen.

Hinweise für Investoren

Ein hoher ROIC ist besonders wertvoll, wenn er über viele Jahre stabil bleibt oder steigt. Kurzfristige Spitzen sind weniger aussagekräftig als langfristige Trends.

Achten Sie darauf, wie ein Unternehmen seinen ROIC erzielt: Hohe Margen deuten auf Preissetzungsmacht hin, ein hoher Kapitalumschlag auf operative Effizienz.

Das Tool eignet sich besonders gut für den Vergleich von Unternehmen innerhalb derselben Branche und zur Beobachtung strategischer Veränderungen über die Zeit.

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