Qualitätsradar

Der Qualitätsradar

Der Qualitätsradar fasst Bewertung und Unternehmensqualität in einem einzigen Polar-Diagramm zusammen. Auf einen Blick lässt sich erkennen, ob ein Unternehmen fundamental attraktiv bewertet ist und gleichzeitig über solide Kennzahlen verfügt.

Jedes der 7 Segmente entspricht einem eigenständigen Qualitäts- oder Bewertungsaspekt. Die Segmentgröße korreliert direkt mit dem jeweiligen Score (0–100 Punkte): ein größeres Segment bedeutet ein besseres Ergebnis. Ein gesundes Unternehmen mit günstiger Börsennotierung zeigt deshalb eine möglichst große, symmetrische blaue Fläche.

Die 7 Segmente im Überblick

SegmentKernfrageBasis-Metrik
BewertungWie weit ist der Kurs vom fairen Wert entfernt?KGV vs. faires KGV (Referenz + Historisch)
BurggrabenWie beständig ist der Wettbewerbsvorteil über mehrere Jahre?ROIC-Persistenz + Margen-Persistenz + FCF-Konversion
AktionärsrenditeWie viel Wert fließt zurück an die Aktionäre?FCF-Rendite + Dividende + Rückkäufe
KapitalrenditeWie effizient wird das eingesetzte Kapital verzinst?ROIC-WACC-Spread + Niveau + Trend
SchuldentragfähigkeitSind die Schulden tragbar und sicher finanziert?ND/EBITDA + Zinsdeckung + ND/FCF + ND/EK
MargenqualitätWie profitabel und stabil ist das Kerngeschäft?EBIT-Marge Niveau + Trend
UmsatzwachstumWie dynamisch wächst das Unternehmen?Forward-Prognose + historischer 7J-CAGR
Absoluter Score: Alle Segmente (außer Bewertung) verwenden einen absoluten 0–100-Score – kein Sektor-Ranking. Ein ROIC von 15 % ergibt bei einem Industriekonzern denselben Score wie bei einem Technologieunternehmen. Sektor-spezifische Anpassungen betreffen nur die Auswahl der Metrik und ihre Schwellenwerte, nicht den Referenzrahmen.

Farbskala und Bewertungslabels

Die Segmentfarbe und das Badge-Label über jedem Segment richten sich nach dem Score:

ScoreLabelFarbeBedeutung
0 – 34SchwachRotDeutliche Schwäche – potenzielle Warnung
35 – 59MittelGelbgrünDurchschnittlich – kein klares Signal
60 – 84GutGrünÜberdurchschnittlich – positive Qualität
≥ 85Sehr gutHellgrünExzellent – Top-Qualität
n/vGrauKeine ausreichenden Daten vorhanden

Beim Bewertungs-Segment lauten die Labels niedrig (Score ≥ 70 → günstig), normal (50–69) und hoch (Score < 50 → teuer), da hier eine besondere Semantik gilt.

Beispiel Qualitätsradar
Abbildung 1: Typischer Qualitätsradar – blau gefüllte Segmente je nach Score-Höhe, farbige Labels, Ringmarkierungen bei 35, 60 und 85 Punkten.

Segment 1: Bewertung

Das Bewertungs-Segment zeigt, wie weit der aktuelle Börsenkurs vom fairen Kurs abweicht. Grundlage ist ein faires KGV aus zwei Komponenten:

KomponenteGewichtBerechnung
Referenz-KGV60 %Empirisch ermitteltes KGV für den Sektor in Abhängigkeit vom EPSA-Wachstum der letzten 8 Jahre (Exponentialfunktion: KGV_ref = Basis × eExp × CAGR)
Historisches KGV40 %Durchschnittliches KGV der letzten 7 Jahre (monatliche Datenpunkte, EPSA-interpoliert, mind. 12 Monate erforderlich)
Faires KGV = 0,6 × Referenz-KGV + 0,4 × Hist. KGV
Abweichung = (aktuelles KGV / faires KGV − 1) × 100 %
Score: −25 % → 100 Pkt. | 0 % (fair) → 75 Pkt. | +50 % → 0 Pkt.

Der Score liegt also bei 75 Punkten, wenn der Kurs exakt dem fairen Wert entspricht. Erst bei einer Unterbewertung von ≥ 25 % wird das Maximum von 100 Punkten erreicht. Eine Überbewertung von 50 % und mehr ergibt 0 Punkte.

AbweichungBedeutungScore
≤ −25 %Stark unterbewertet100
−10 %Leicht unterbewertet≈ 83
0 %Fair bewertet75
+25 %Mäßig überbewertet≈ 50
+50 %Stark überbewertet0
≥ +130 %Maximal überbewertet (Cap)0
Besonderheiten:
REITs: Anstelle des EPS werden die Funds from Operations (FFO) als Ertragsgröße verwendet, da der Nettogewinn bei Immobilienunternehmen durch hohe Abschreibungen verzerrt ist.
Verlustunternehmen: Ist das aktuelle EPS negativ, wechselt die Berechnung automatisch auf einen Umsatz-basierten Ansatz (Kurs/Umsatz je Aktie vs. Referenz-KUV). Das Segment zeigt dann ein Info-Badge „Umsatzbewertung".
Keine Kursdaten: Das Segment wird grau mit „n/v" dargestellt.
Jahres-Slider: Für historische Jahre wird das damalige KGV mit dem damals gültigen fairen KGV verglichen.

Bewertungs-Karte und Tooltip

Unterhalb des Bewertungs-Badges zeigt eine aufklappbare Karte die Rohabweichung in Prozent (z. B. „18,5 % überbewertet"). Im Tooltip des Segments sind Referenz-KGV, historisches KGV, faires KGV und die Abweichung einzeln aufgelistet.

Sankey-Chart Bewertungs-Segment
Abbildung 2: Sankey-Chart des Bewertungs-Segments – die linken Flüsse stellen Referenz-KGV (60 %) und historisches KGV (40 %) dar, die rechts zum fairen KGV zusammenlaufen und in den Score-Balken münden. Die Farbe signalisiert Unter- oder Überbewertung relativ zum fairen Wert.

Segment 2: Burggraben

Der Burggraben misst, ob ein Unternehmen seinen Wettbewerbsvorteil dauerhaft aufrechterhalten kann – nicht nur, ob er aktuell vorhanden ist. Drei Persistenz-Komponenten prüfen die strukturelle Beständigkeit über mehrere Geschäftsjahre:

KomponenteGewichtMetrik
ROIC-Persistenz40 %Anteil der letzten 7 Geschäftsjahre, in denen der ROIC eine sektorspezifische Mindestschwelle überschritt (Standard: 10 %)
0 % Persistenz → 0 Pkt., 57 % → 45 Pkt., 100 % → 100 Pkt.
Margen-Persistenz35 %Anteil der letzten 7 Geschäftsjahre mit operativer Marge oberhalb einer Schwelle (Standard: 5 %)
Gleiches Scoring-Schema wie ROIC-Persistenz
FCF-Konversion25 %FCF ÷ operatives Ergebnis – zeigt, ob buchhalterische Gewinne vollständig zu echtem Geld werden
−0,5 → 0 Pkt., 0,5 → 40 Pkt., 1,0 → 75 Pkt., 1,5 → 100 Pkt.

Mindestens 2 historische Datenpunkte sind für eine Berechnung erforderlich. Bei fehlender Datenhistorie wird das Segment grau (n/v) dargestellt.

Sankey-Chart Burggraben
Abbildung 3: Sankey-Chart Burggraben – ROIC-Persistenz (40 %), Margen-Persistenz (35 %) und FCF-Konversion (25 %) fließen gewichtet in den Gesamtscore. Eine hohe Persistenz-Punktzahl zeigt, dass der Wettbewerbsvorteil konjunkturunabhängig stabil war.

Segment 3: Aktionärsrendite

Die Aktionärsrendite erfasst den gesamten Kapitalfluss, der direkt an Aktionäre zurückgegeben wird – über Dividenden, Aktienrückkäufe und die zugrundeliegende Ertragskraft (FCF-Rendite).

KomponenteGewicht (Standard)Metrik & Schwellen
FCF-Rendite50 %FCF ÷ Marktkapitalisierung
3 % → 50 Pkt., 6 % → 75 Pkt., 10 % → 100 Pkt.
Dividendenrendite25 %Geschätzte Dividende ÷ Kurs
1 % → 50 Pkt., 4 % → 80 Pkt., 8 % → 100 Pkt.
Netto-Rückkaufrendite25 %(Rückkäufe − SBC) ÷ Marktkapitalisierung
1 % → 45 Pkt., 2 % → 65 Pkt., 4 % → 80 Pkt.
Die Netto-Rückkaufrendite wird um aktienbasierte Vergütungen (SBC) bereinigt. Werden mehr neue Aktien ausgegeben als zurückgekauft (Verwässerung), geht diese Komponente leer aus (Score 0 statt negativer Beitrag).
Sankey-Chart Aktionärsrendite
Abbildung 4: Sankey-Chart Aktionärsrendite – FCF-Rendite (50 %), Dividendenrendite (25 %) und Netto-Rückkaufrendite (25 %) strömen gewichtet in den Gesamt-Score-Balken.

Segment 4: Kapitalrendite

Die Kapitalrendite (ROIC) misst, wie effizient das Management das eingesetzte Kapital in Erträge umwandelt. Sie ist eine der wichtigsten Kennzahlen für die langfristige Wertschöpfung eines Unternehmens.

KomponenteGewichtMetrik
ROIC–WACC-Spread60 %Differenz zwischen Kapitalrendite und Kapitalkosten – positiver Spread bedeutet echte Wertschöpfung
−5 % → 0 Pkt., 0 % → 30 Pkt., 5 % → 65 Pkt., 10 % → 85 Pkt., 15 % → 100 Pkt.
Niveau25 %ROIC = Owner Earnings ÷ (Eigenkapital + zinstragende Schulden − Excess-Cash)
5 % → 25 Pkt., 10 % → 50 Pkt., 15 % → 70 Pkt., 25 % → 100 Pkt.
Trend15 %Vergleich Ø(j, j−1) vs. Ø(j−3, j−4) – steigender ROIC wird belohnt

Als Ertragsgröße dienen die Owner Earnings (Nettogewinn + Abschreibungen − Erhaltungs-CapEx), da diese das tatsächlich entnehmbare Ergebnis besser widerspiegeln als der reine Nettogewinn.

Vom investierten Kapital wird der Cash-Bestand abgezogen (Excess-Cash): Eine hohe Liquidität bläht das Eigenkapital auf und würde den ROIC netto-cash-reicher Unternehmen sonst künstlich drücken, obwohl das operative Geschäft hochprofitabel ist. So bleibt die Kennzahl auf die tatsächlich im Geschäft gebundene Kapitalbasis fokussiert. (Der Nenner ist gegen extreme Bilanzstrukturen abgesichert, damit sehr cash-reiche oder rückkaufbedingt eigenkapitalschwache Firmen keine unplausiblen Werte erzeugen.)

Sankey-Chart Kapitalrendite
Abbildung 5: Sankey-Chart Kapitalrendite – ROIC-WACC-Spread (60 %), Niveau (25 %) und Trend (15 %) münden gewichtet in den Gesamt-Score. Der Spread zeigt, ob die Kapitalrendite die Kapitalkosten übersteigt.

Segment 5: Schuldentragfähigkeit

Die Schuldentragfähigkeit bewertet, ob ein Unternehmen seine Nettoschulden aus dem operativen Cashflow bedienen und verzinsen kann. Sie kombiniert drei komplementäre Kennzahlen:

KomponenteGewichtMetrik & Standardschwellen
ND / EBITDA30 %Nettoverschuldung ÷ EBITDA
0× → 100 Pkt., 2× → 70 Pkt., 4× → 45 Pkt., 6× → 20 Pkt., ≥ 8× → 0 Pkt.
Zinsdeckung25 %EBIT ÷ Zinsaufwand
2× → 30 Pkt., 4× → 55 Pkt., 8× → 80 Pkt., ≥ 15× → 100 Pkt.
ND / FCF25 %Nettoverschuldung ÷ freier Cashflow
3× → 70 Pkt., 6× → 45 Pkt., 9× → 20 Pkt., ≥ 12× → 0 Pkt.
ND / Eigenkapital20 %Nettoverschuldung ÷ Eigenkapital (bei negativem EK: ND / Bilanzsumme)
Ergänzendes Maß für die Kapitalstruktur

Nettoverschuldung = Gesamtschulden − Barmittel + Leasingverbindlichkeiten. Fehlen Bilanzdaten vollständig, wird das Segment grau (n/v) dargestellt.

Sankey-Chart Schuldentragfähigkeit
Abbildung 6: Sankey-Chart Schuldentragfähigkeit – drei Eingangsflüsse (ND/EBITDA 30 %, Zinsdeckung 25 %, ND/FCF 25 %) vereinen sich zum Gesamtscore. Ein grauer Teilbalken zeigt an, dass für diese Komponente keine ausreichenden Daten vorliegen.

Segment 6: Margenqualität

Die Margenqualität bewertet die operative Profitabilität und ihre Stabilität über die Zeit. Eine hohe, stabile Marge deutet auf strukturelle Wettbewerbsvorteile hin.

KomponenteGewichtMetrik
Niveau65 %EBIT-Marge (operatives Ergebnis ÷ Umsatz)
0 % → 20 Pkt., 5 % → 50 Pkt., 10 % → 70 Pkt., 15 % → 85 Pkt., 25 % → 100 Pkt.
Trend35 %Vergleich Ø(j, j−1) vs. Ø(j−3, j−4) – steigende Marge wird belohnt
Sankey-Chart Margenqualität
Abbildung 7: Sankey-Chart Margenqualität – EBIT-Marge Niveau (65 %) und Trend (35 %) fließen gewichtet in den Gesamtscore. Ein grüner Trendfluss signalisiert eine verbesserte Marge gegenüber dem Vierjahresvergleich.

Segment 7: Umsatzwachstum

Das Umsatzwachstums-Segment kombiniert kurzfristige Analystenschätzungen mit dem langfristigen historischen Wachstum.

KomponenteGewichtQuelle
Forward-Prognose60 %Analysten-Konsensus für 2–3 Jahre p. a. (falls vorhanden)
Historisch 7 J40 %7-Jahres-CAGR der tatsächlichen Umsätze

Liegen keine Analystenschätzungen vor, fließt 100 % des historischen CAGR ein. Fehlt auch dieser (z. B. sehr neue Unternehmen ohne ausreichende Historie), wird das Segment grau dargestellt.

Standardschwellen: −5 % → 0 Pkt. | 0 % → 20 Pkt. | 5 % → 50 Pkt. | 10 % → 70 Pkt. | 15 % → 85 Pkt. | 25 % → 100 Pkt.
Sankey-Chart Umsatzwachstum
Abbildung 8: Sankey-Chart Umsatzwachstum – Forward-Prognose (60 %) und 7J-CAGR (40 %) fließen zusammen. Fehlen Analystenschätzungen, trägt der historische CAGR mit vollem Gewicht (100 %) bei; der Forward-Eingang bleibt dann leer.

Qualitätsscore und Bewertungsscore

Aus den Segment-Scores werden zwei übergeordnete Kennzahlen berechnet, die als große Badges oben auf der Seite angezeigt werden:

BadgeBerechnungEnthält
Qualitätsscore Gewichteter Durchschnitt der 6 Qualitätssegmente (ohne Bewertung) Gewinnqualität, Aktionärsrendite, Kapitalrendite, Schuldentragfähigkeit, Margenqualität, Umsatzwachstum
Bewertungsscore Score aus dem Bewertungs-Segment (0–100) KGV-Abweichung vom fairen KGV

Segmente ohne Daten (n/v) werden aus der Gewichtung herausgerechnet und die übrigen Gewichte anteilig erhöht.

Standard-Gewichte Qualitätsscore

SegmentStandard
Burggraben25 %
Kapitalrendite20 %
Margenqualität20 %
Schuldentragfähigkeit20 %
Umsatzwachstum10 %
Aktionärsrendite5 %

Jahres-Slider: Historische Ansicht

Unterhalb des Charts befindet sich ein Jahres-Slider, mit dem alle verfügbaren Geschäftsjahre rückwärts bis 1995 betrachtet werden können. Damit lässt sich die Qualitätsentwicklung eines Unternehmens über Jahrzehnte hinweg verfolgen.

  • Beim Zurückblättern werden alle sieben Segmente — einschließlich Aktionärsrendite und Burggraben — vollständig aus den historischen Bilanzdaten live neu berechnet.
  • Das Bewertungs-Segment zeigt, wie das damalige KGV im Vergleich zum damals gültigen fairen Wert stand.
  • Fehlen für ein historisches Jahr Bilanzdaten (z. B. keine Bilanz für GJ 2001), wird das betreffende Segment grau.
Jahres-Slider historische Ansicht
Abbildung 9: Jahres-Slider – mit dem Regler lassen sich alle verfügbaren Geschäftsjahre rückwärts bis 1995 aufrufen. Alle Segment-Scores, Polar-Chart und Sankeys aktualisieren sich live auf Basis der Bilanzdaten des gewählten Jahres.

Interaktive Tooltips

Ein Hover (Desktop) oder Tap (Mobil) auf ein Segment öffnet einen HTML-Tooltip mit allen Unterkomponenten des jeweiligen Segments, inklusive:

  • Gesamtpunktzahl des Segments (farbcodiert)
  • Einzelne Sub-Scores mit Gewichtung und Fortschrittsbalken
  • Rohmesswert (z. B. „8,3 % EBIT-Marge")
  • Beim Bewertungs-Segment: Referenz-KGV, historisches KGV, faires KGV und prozentuale Abweichung
  • Hinweis, falls Bilanzdaten eines früheren Jahres verwendet werden mussten
Interaktiver Segment-Tooltip
Abbildung 10: Interaktiver Tooltip – Hover (Desktop) oder Tap (Mobil) auf ein Segment zeigt alle Sub-Scores mit Gewichtung, Fortschrittsbalken und Rohmesswert in einer Übersichtskarte.

Sankey-Charts: Detailansicht je Segment

Unterhalb des Polar-Charts ist für jedes Qualitätssegment ein eigener Sankey-Chart aufrufbar, der die Zusammensetzung des Scores visuell als Flussdiagramm darstellt. Die Breite der Pfeile entspricht dabei dem gewichteten Beitrag zur Gesamtpunktzahl.

Beispiel für das Segment Schuldentragfähigkeit: Drei Eingangsflüsse (ND/EBITDA, Zinsdeckung, ND/FCF) münden in einen Gesamtfluss. Die Farbe zeigt den jeweiligen Sub-Score (rot = schwach, grün = gut). Ein grauer Füllbalken deutet auf fehlende Daten hin.

Tipp: Die Sankeys aktualisieren sich beim Betätigen des Jahres-Sliders automatisch und zeigen die historische Zusammensetzung für das jeweils gewählte Geschäftsjahr.

Sektorspezifische Anpassungen

Verschiedene Branchen haben strukturell unterschiedliche Kennzahlenprofile. Der Qualitätsradar passt daher Metriken und Schwellenwerte automatisch an, sobald ein Unternehmen einem Sondersektor zugeordnet ist:

Gewichtung des Qualitätsscores nach Sektor

SegmentStandardFinanzenVersorgerAirlineTelecomTabakRohstoffREITWachstum
Kapitalrendite20 %30 %30 %25 %25 %25 %25 %20 %5 %
Margenqualität20 %15 %20 %25 %25 %30 %20 %15 %20 %
Schuldentragfähigkeit20 %25 %*20 %20 %20 %8 %30 %25 %25 %
Burggraben25 %20 %5 %10 %10 %20 %10 %10 %10 %
Umsatzwachstum10 %5 %10 %15 %5 %2 %5 %5 %40 %
Aktionärsrendite5 %5 %15 %5 %15 %15 %10 %25 %

* Finanzen: Eigenkapitalquote (EK/Bilanzsumme) statt Nettoverschuldung. Wachstum = Wachstumsphase (Unternehmen mit strukturell negativen Gewinnen, Revenue-Fallback aktiv).

Metrikanpassungen je Sektor

SektorKapitalrenditeSchuldentragfähigkeitMargenqualitätAktionärsrenditeUmsatzwachstum-Mitte
StandardROICND/EBITDA ≤ 4× = gutEBIT-MargeFCF 50 %, Div 25 %, Rückkauf 25 %5 % = 50 Pkt.
FinanzwerteROEEK-Quote (≥ 10 % = gut)NettomargeEarnings Yield 60 %, Div 40 %5 % = 50 Pkt.
VersorgerROICND/EBITDA ≤ 6× = gutEBIT-MargeFCF 30 %, Div 70 %5 % = 50 Pkt.
AirlinesROICND/EBITDA ≤ 7× = gutEBIT-MargeFCF 45 %, Div 20 %, Rückkauf 35 %5 % = 50 Pkt.
TelekommunikationROICND/EBITDA ≤ 4× = gutEBIT-MargeFCF 35 %, Div 40 %, Rückkauf 25 %3 % = 50 Pkt.
TabakROICND/EBITDA ≤ 2× = gutEBIT-MargeFCF 30 %, Div 40 %, Rückkauf 30 %0 % = 45 Pkt. (Volumen sinkt strukturell)
RohstoffeROICND/EBITDA ≤ 2× = gutEBIT-Marge (zyklus-adjustiert)FCF 50 %, Div 25 %, Rückkauf 25 %3 % = 50 Pkt. (Preis-Zyklen)
REITsROA (OE / Bilanzsumme)ND/EBITDA ≤ 7× = gutEBITDA-MargeFCF 25 %, Div 75 %2 % = 50 Pkt. (Miet-Inflation)

Hintergründe der Sektoranpassungen

REITs sind gesetzlich verpflichtet, mindestens 90 % ihrer steuerpflichtigen Gewinne auszuschütten. Deshalb ist die Dividendenrendite mit 75 % das Hauptkriterium der Aktionärsrendite.

Der Nettogewinn bei REITs ist durch planmäßige Abschreibungen auf Immobilien strukturell niedrig – die Funds from Operations (FFO) (Nettogewinn + Abschreibungen − Immobilienveräußerungsgewinne) sind deutlich aussagekräftiger für die Ertragskraft.

Die Kapitalrendite nutzt den Return on Assets (ROA = Owner Earnings / Bilanzsumme) statt ROIC, da das Buchkapital durch jahrzehntelange Abschreibungen stark verzerrt sein kann.

Die Schuldentragfähigkeit erlaubt höhere Verschuldung: ND/EBITDA bis 7× gilt als akzeptabel (vs. 4× Standard), da Immobilienfinanzierungen strukturell fremdkapitalintensiv sind.

Für Banken und Versicherungen ist das Konzept der Nettoverschuldung nicht sinnvoll (Einlagen sind Verbindlichkeiten, aber kein Schuldenproblem). Stattdessen wird die Eigenkapitalquote (Eigenkapital / Bilanzsumme) bewertet: Banken mit ≥ 10 % EK-Quote gelten als gut kapitalisiert.

Statt ROIC wird der Return on Equity (ROE) verwendet. Die operative Marge wird durch die Nettomarge ersetzt, da bei Finanzwerten die operative Marge konzeptionell nicht definiert ist.

Bei der Aktionärsrendite ersetzt Earnings Yield (EPS/Kurs) die FCF-Rendite, da der freie Cashflow bei Banken schwer abgrenzbar ist.

Versorger haben kapitalintensive, regulierte Netze und finanzieren sich deshalb strukturell mit höherer Verschuldung. ND/EBITDA bis 12× gilt noch als akzeptabel (Standard: 8×).

Da Dividenden das Hauptmerkmal von Versorgertiteln für Anleger sind, erhält die Aktionärsrendite ein höheres Gewicht (15 %) und die Dividende wird mit 70 % des Aktionärsrendite-Scores gewichtet.

Negativer FCF ist typisch bei laufenden Netzinvestitionen – bei der ND/FCF-Berechnung führt negativer FCF daher zum Score null (nicht zur Abwertung mit Score 0 wie im Standard).

Airlines haben strukturell hohe Leasingverbindlichkeiten für Flotten. Diese werden in die Nettoverschuldung einbezogen: ND/EBITDA bis 14× gilt noch als akzeptabel.

Da Airlines Kapital primär über Aktienrückkäufe und weniger über Dividenden zurückgeben, erhält die Rückkaufrendite ein höheres Gewicht von 35 % (Standard: 25 %).

Umsatzwachstum erhält mit 15 % ein höheres Gewicht, da Kapazitätsausbau und Auslastung in dieser Branche besonders relevant sind.

Rohstoffunternehmen unterliegen starken Preiszyklen. Die Margen-Schwellenwerte sind daher zyklusbereinigt: 3 % EBIT-Marge entspricht einem durchschnittlichen Ergebnis (Standard: 5 %).

Beim Umsatzwachstum liegt der 50-Punkte-Mittelpunkt bei 3 % p.a. (Standard: 5 %). Starke Einbrüche in Preis-Tiefs wirken sich weniger negativ aus.

Die Gewinnqualität fällt auf EPS-Basis zurück, wenn in Preistälern der FCF negativ ist – dies ist strukturell und kein Qualitätsproblem.

Die Schuldentragfähigkeit erhält mit 30 % das höchste Gewicht aller Sektoren, da in Rohstoffzyklen eine geringe Verschuldung überlebenswichtig ist.

Telekommunikationsunternehmen wachsen strukturell langsamer als der Gesamtmarkt. Der Wachstums-Mittelpunkt liegt daher bei 3 % p.a. (Standard: 5 %).

Dividenden sind ein zentrales Investitionsmerkmal: Die Aktionärsrendite gewichtet Dividenden mit 40 % (leicht erhöht) und erhält insgesamt 15 % Gewicht im QS.

Netzinfrastruktur erfordert strukturell hohe Verschuldung: ND/EBITDA bis gilt noch als akzeptabel.

Tabakkonzerne haben strukturell sinkende Absatzvolumen. Deshalb gilt 0 % Umsatzwachstum noch als 45 Punkte – ein Wert, der in anderen Branchen als schwach gilt, ist hier bereits Durchschnitt.

Hohe FCF-Margen und aggressive Rückkaufprogramme sind charakteristisch: Margenqualität erhält 30 % Gewicht, Aktionärsrendite 15 %.

Tabakkonzerne sind traditionell wenig verschuldet – die Schuldentragfähigkeit wird stärker auf ND/EBITDA-Niveau bewertet (Standard-Schwellen bleiben gleich, aber Gewicht 8 % ist bewusst gering, da die Branche oft schuldenfrei wirtschaftet).

Fehlende Daten: n/v-Segmente

Wenn für ein Segment keine ausreichenden Daten vorliegen, wird es grau ausgefüllt und trägt das Badge n/v. Dies kann folgende Ursachen haben:

SegmentTypische Ursache für n/v
BewertungKein aktueller Börsenkurs verfügbar; kein EPSA und kein Umsatz vorhanden
BurggrabenWeniger als 2 historische Datenpunkte für ROIC- oder Margen-Persistenz verfügbar
KapitalrenditeKeine Bilanzdaten (Eigenkapital/Schulden) für ROIC-Berechnung
SchuldentragfähigkeitKeine Bilanzdaten (Schulden, Barmittel, EBITDA)
MargenqualitätKein Umsatz oder kein operatives Ergebnis verfügbar
UmsatzwachstumZu wenig Umsatzhistorie für 7J-CAGR; kein Analystenkonsen

n/v-Segmente fließen nicht in den Qualitätsscore ein. Die Gewichte der übrigen Segmente werden entsprechend renormalisiert.

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