Hinweis zum Update
Mit dem aktuellen Update wurden beide Kernfragen der Plattform überarbeitet: Wie teuer ist eine Aktie im Verhältnis zu ihren Ergebnissen? und Wie hoch ist die Qualität des Unternehmens? Das Ziel ist unverändert — beide Antworten wurden präziser gemacht. Da sich an einigen Stellen die Darstellung und an einer Stelle die Messlogik geändert haben, kann derselbe Wert nun anders erscheinen als zuvor. Diese Seite erklärt, was sich geändert hat und warum.
Bisher fasste ein einziger Überblick-Chart Qualität und Bewertung zusammen. Dieser Chart heißt jetzt Qualitätsradar. Neu sind zwei klar getrennte Kennzahlen an der Spitze der Analyse:
Beide laufen nun auf einer einheitlichen Skala von 0 bis 100 Punkten. Das macht den Befund unmittelbar erfassbar, ohne dass man zuerst eine Grafik interpretieren muss.
Abbildung 1: Kopfzeile der Analyse mit Qualitätsscore und Bewertungsscore (je 0–100) sowie dem überarbeiteten Polar-Chart mit sieben Segmenten.
An der Methodik der Bewertung hat sich im Kern nichts geändert. Eine Aktie wird weiterhin gegen eine Referenzbewertung gemessen, die aus einem empirisch ermittelten Multiple abgeleitet wird — abhängig vom Gewinnwachstum des betrachteten Zeitraums und vom Sektor des Unternehmens. Der Streubereich als Orientierung für den fairen Wert bleibt ebenso erhalten wie die alternativ wählbare historische Bewertung.
Neben dem KGV ließen sich bereits zuvor andere Bezugsgrößen wählen — Umsatz, bereinigter Gewinn, operativer Cashflow, freier Cashflow, EBITDA, Buchwert. Neu hinzugekommen sind die EV-Metriken (Enterprise-Value-basiert). Dies ist eine reine Erweiterung der Wahlmöglichkeiten; es geht nichts verloren.
Geändert hat sich der Startpunkt der Darstellung, nicht die Berechnung dahinter:
Neu ist außerdem eine automatische Empfehlung der am besten geeigneten Bewertungsmetrik. Das System analysiert die Gewinnstruktur des jeweiligen Unternehmens und schlägt auf dieser Basis die passende Metrik vor — ohne dass der Nutzer die Branchenlogik kennen muss:
Die empfohlene Metrik wird in der Dropdown-Auswahl mit einem grünen Empfohlen-Badge markiert. Neben den Auswahl-Buttons erscheint zudem eine Hinweiszeile — ein Klick darauf wechselt direkt zur empfohlenen Metrik. Ist man bereits auf der empfohlenen Metrik, wird dies mit einem Häkchen bestätigt.
Der Bewertungsscore basiert auf der Fairen Bewertung — derselben Darstellung, die auf der Bewertungschart-Seite als Standard voreingestellt ist. Da die Bewertung vom Gewinnwachstum des betrachteten Zeitraums abhängt, fällt sie je nach gewähltem Zeitfenster unterschiedlich aus. Für den Bewertungsscore wird daher ein fest definierter Zeitraum verwendet: 7 Jahre Vergangenheit und 1 Jahr Zukunft, wobei das Zukunftsjahr auf den aktuellen Analystenschätzungen basiert. Dieser Zeitraum ist für alle Unternehmen identisch und macht den Score vergleichbar.
Der Bewertungsscore übersetzt die Faire Bewertung dieses Zeitraums in eine Punktzahl:
Dass die faire Bewertung bei 75 und nicht bei 100 Punkten liegt, ist beabsichtigt: Ein fair bewertetes, qualitativ starkes Unternehmen ist bereits eine sinnvolle Anlage — ein Höchstwert sollte nicht Bedingung für einen Kauf sein.
Hier liegt die substanziellste Überarbeitung. Damit die Veränderung nachvollziehbar bleibt, zuerst der bisherige Stand, dann das Neue.
Der Chart, der bisher Überblick-Chart hieß, trägt nun den treffenderen Namen Qualitätsradar. Der Name beschreibt, was der Chart leistet: ein Radar-Chart, der auf einen Blick zeigt, wie attraktiv ein Unternehmen aus Investorensicht ist — von Qualitätsaspekten wie Margen, Kapitalrendite und Schuldentragfähigkeit bis hin zur Bewertung. Er fasst also beides zusammen: die innere Qualität des Unternehmens und die Frage, ob der Preis stimmt.
In seiner früheren Form stellte er fünf Qualitätsaspekte dar — Umsatzwachstum, operative Marge, Nettoverschuldung, Kapitalrendite (ROIC) und den Piotroski F-Score — ergänzt um die Bewertung als sechstes Segment. Jeder Aspekt wurde relativ zum Sektor beurteilt und in Quartile eingeteilt (untere 25 %, unter Durchschnitt, über Durchschnitt, Top 25 %).
Dieser Ansatz hatte erkannte Schwächen: Der Piotroski F-Score verdichtete teils dieselben Aspekte, die ohnehin separat gezeigt wurden, und war für viele Unternehmen wenig aussagekräftig. Einzelkennzahlen erfassten nur einen Ausschnitt — die Nettoverschuldung etwa beschrieb allein die Bilanzstruktur, nicht aber Tilgungskraft oder Zinsbelastung. Und die rein sektorrelative Messung konnte einen absolut guten Sachverhalt als schlecht etikettieren.
Der Qualitätsscore (0–100) setzt sich nun aus sechs Aspekten zusammen, von denen jeder ein gewichtetes Komposit mehrerer Kriterien ist — keine Einzelkennzahl mehr. Der Piotroski F-Score entfällt dabei vollständig; seine Rolle übernehmen die neuen Komposit-Aspekte, die den Sachverhalt differenzierter abbilden:
| Aspekt | Zusammensetzung (Gewichtung) | Einordnung |
|---|---|---|
| Margenqualität | Niveau der operativen Marge (65 %), Trend über die Jahre (35 %) | Vertieft die frühere operative Marge. |
| Schuldentragfähigkeit | Ertragsbelastung (30 %), Zinsdeckung (25 %), Entschuldungstempo (25 %), Kapitalstruktur (20 %) | Ersetzt die reine Nettoverschuldung (siehe Beispiel). |
| Kapitalrendite | Spread ROIC − WACC (60 %), absolutes ROIC-Niveau (25 %), Trend (15 %) | Misst nun echte Wertschöpfung über den Kapitalkosten. |
| Umsatzwachstum | Forward-Prognose (60 %), Historie der letzten 7 Jahre (40 %) | Aufgeteilt in Prognose und Historie. |
| Aktionärsrendite | FCF-Rendite (50 %), Ausschüttungsrendite (50 %) — kombiniert aus Dividendenrendite und Netto-Rückkaufrendite | Neuer Aspekt. |
| Burggraben | ROIC-Persistenz (40 %), Margen-Persistenz (35 %), FCF-Konversion (25 %) | Neuer Aspekt. |
Die Ausschüttungsrendite fasst Dividendenrendite und Netto-Rückkaufrendite zu einer einzigen Kennzahl zusammen — ein Unternehmen, das ausschließlich Dividenden zahlt, erzielt denselben Score wie eines mit gleicher kombinierter Ausschüttungsrendite aus Rückkäufen. Die Netto-Rückkaufrendite wird dabei um die aktienbasierte Vergütung bereinigt; reine Rückkäufe, die durch neu ausgegebene Mitarbeiteraktien aufgewogen werden, erhöhen den Score nicht. Bei der Kapitalrendite wird für Unternehmen ohne sinnvollen ROIC (etwa Finanzwerte) auf eine geeignetere Renditegröße umgestellt.
Der Piotroski F-Score entfällt. Die Gewichtung der Kriterien kann je nach Branche abweichen — etwa bei Finanzunternehmen, Airlines oder REITs, deren Geschäftsmodelle andere Maßstäbe verlangen. Alle sechs Aspekte mit ihren vollständigen Kriterien, Schwellenwerten und Sektorvarianten sind im Detailartikel beschrieben.
Die Qualitätsaspekte werden nicht mehr relativ zum Sektor in Quartile eingeordnet, sondern an absoluten, branchenspezifischen Schwellen gemessen. Das ist die folgenreichste Neuerung — und der Grund, warum dieselbe Aktie nun anders dastehen kann als zuvor.
Microsoft verfügt über mehr liquide Mittel als Schulden; die Nettoverschuldung beträgt rund −1,1 %. Das Unternehmen ist also netto schuldenfrei. So wurde dieser Wert in den beiden Systemen beurteilt:
Gemessen am Technologiesektor, der durchweg sehr liquide ist, lag der Wert im unteren Bereich — obwohl netto schuldenfrei.
„Netto-cash" ist der bestmögliche Zustand. Absolut betrachtet kann die Schuldentragfähigkeit nicht besser sein.
Der frühere Befund war im Rahmen seiner Methode nicht falsch — er beantwortete jedoch die Frage „Wie steht das Unternehmen relativ zu seinen Wettbewerbern da?" und nicht die eigentlich interessierende Frage „Wie tragfähig sind die Schulden tatsächlich?". Genau diese inhaltliche Frage beantwortet der neue Aspekt Schuldentragfähigkeit, indem er vier Kriterien zusammenführt:
Die alte Nettoverschuldung ist damit nicht verschwunden, sondern als Kapitalstruktur mit 20 % Gewicht in einen vollständigeren Aspekt eingebettet. Die übrigen 80 % erfassen genau das, was zuvor fehlte: Tilgungskraft und Zinsbelastung.
Neu ist zudem, dass sich Scores über vergangene Geschäftsjahre verfolgen lassen. Über den Regler unterhalb des Charts können einzelne Geschäftsjahre ausgewählt und miteinander verglichen werden — so wird sichtbar, ob sich die Qualität eines Unternehmens verbessert oder verschlechtert hat.
Abbildung 2: Sankey-Diagramm der Schuldentragfähigkeit — die vier Kriterien fließen mit ihrem gewichteten Beitrag in den Gesamtscore.
Auch die Bewertungsmatrix in der Portfolio-Ansicht wurde überarbeitet. Die vertikale Achse — die Qualitätsdimension — korrespondiert nun direkt mit dem Qualitätsscore aus dem Qualitätsradar: Unternehmen werden nicht mehr relativ zueinander, sondern anhand des absoluten Qualitätsscores eingeordnet, der mehrere Aspekte gewichtet zusammenführt. Das macht die Matrix konsistent mit der Einzelanalyse.
Neu ist außerdem die Möglichkeit, in der Portfolio-Ansicht monatsweise in die Vergangenheit zu scrollen — so lässt sich nachverfolgen, wie sich Bewertung und Qualität der enthaltenen Titel über die Zeit entwickelt haben.
Ergänzend zur Fundamental- und Bewertungsanalyse zeigt die neue Seite Institutionelle Investoren, wie große professionelle Anleger in einer Aktie positioniert sind — auf Basis der verpflichtenden US-13F-Filings. Sichtbar sind Netto-Aktivität (Kauf oder Abbau), das Käufer/Verkäufer-Verhältnis, der institutionelle Einstandspreis im Vergleich zum aktuellen Kurs sowie die Top-25-Halter mit ihrer Positionsveränderung. Ein 8-Quartals-Trend zeigt, wie sich das professionelle Engagement über die Zeit entwickelt hat. Details zu Aufbau und Mehrwert der Seite finden Sie im Detailartikel.